in: Maxima Mai 2008

Weniger ist mehr – wie wahr dieser Spruch ist, hat Andrea Schwarz-Schneebauer, 42, am eigenen Leib erfahren.
Die Mutter von drei Kindern im Alter von zwölf, acht und sechs Jahren betreibt eine eigene Praxis für Lebensenergie
am Stadtrand von Linz. »Ich habe herausgefunden, was ich brauche, damit es mir gut geht«, kann die
Oberösterreicherin heute sagen. Doch das war nicht immer so. »Mit 30 Jahren stand ich knapp vor dem Burn-out.
Ich habe mich völlig ausgebrannt gefühlt. Eigentlich kein Wunder, bin ich doch jahrelang über meine Ressourcen
gegangen.«
Wer nicht weiß, wo seine Grenzen liegen und rechtzeitig »Nein« sagen kann, wird leicht den Punkt übersehen,
an dem es zu viel wird, sagt der Trainer August Höglinger im Maxima-Interview zum Thema Burn-out (siehe S. 42).
Berühmtheiten wie der Rapper Eminem, der Skispringer Sven Hannawald oder der Musiker Keith Jarrett litten unter
chronischer völliger Erschöpfung und mussten Tourneen absagen, die Karriere beenden oder sich jahrelange
Zwangspausen auferlegen. Aber es trifft nicht nur Prominente, die im Rampenlicht stehen. Burn-out ist längst zur
neuen Volkskrankheit avanciert. Bereits jeder fünfte Österreicher hat Bekanntschaft mit diesem Phänomen
gemacht, wie die Psychologin Brigitte Bösenkopf von der Arbeitsgemeinschaft für Präventivpsychologie erklärt.
LERNEN AUS DER ÜBERFORDERUNG
Mit ihrer Energie und Kompetenz hatte es Andrea Schwarz-Schneebauer schon früh zu einem spannenden Job beim
WWF Österreich gebracht, für den sie Team-, Organisations- und Personalentwicklung betrieb. Nebenbei schloss
sie ein Studium ab, absolvierte einen Hochschullehrgang und machte auch noch eine Trainerausbildung – alles
zusätzlich zum »mehr als 40 Stunden-Job«.
Die erste Schwangerschaft brachte eine Zäsur für die Powerfrau, doch bald nach der Geburt stand sie wieder
20 Stunden lang ihre Frau im Job. »Damals war das wichtig für mich«, reflektiert Andrea Schwarz-Schneebauer, »aber
heute würde ich es nicht mehr so machen.« Heute ist überhaupt vieles anders im Leben von Andrea Schwarz-Schneebauer.
Sie ist inzwischen aus Wien weg nach Linz gezogen und berät nach Zusatzausbildungen in Naturheilkunde,
Bioenergetik, Körperarbeit, Meditation und Aufstellungsarbeit selber Menschen in schwierigen Lebenslagen und
hält Vorträge dazu. So kann sie ihre Erfahrungen mit dem Arbeitsdruck und ihre Lösungswege aus den krank machenden
Belastungen weitergeben.
SÜCHTIG NACH ANERKENNUNG
»Wir Menschen bedürfen der Anerkennung, manche sind regelrecht süchtig danach«, meint August Höglinger im
Maxima-Interview. Schnell sitzt man der Täuschung auf, je mehr man leiste, umso wertvoller sei man –
nicht nur in den Augen der anderen, sondern auch in den eigenen. Eine Erfahrung, die auch Andrea Schwarz-Schneebauer
kennt: »Früher war ich oft unzufrieden, weil ich dachte, ich schaffe zu wenig. Frauen haben ja oft die Tendenz,
alles zu hundert Prozent machen zu wollen.« Sie hat »die Kurve gekriegt«, indem sie den Spieß umgedrehte:
Statt den immer weiter wachsenden eigenen Anforderungen nachzulaufen, setzt sie sich heute bewusst den Rahmen
dessen, was sie bewältigen kann. »Ich nehme mir einmal im Jahr Zeit, um zu überlegen, was im kommenden Jahr
wie wichtig wird. Dazu mache ich eine richtige prozentuelle Gewichtung der Bereiche Familie und Beruf,
etwa 50 Prozent zu 30 Prozent. Die restlichen 20 Prozent meiner Zeit teile ich in Fortbildung, Freizeit,
Ausruhen etc. auf. Innerhalb jedes Bereichs formuliere ich dann, was dort im kommenden Jahr schwerpunktmäßig
geschehen soll. Durch diese Planung ist mir von Anfang an klar, was möglich ist.« Mit diesem Jahresplan sind
die Erwartungen konkret formuliert und dem diffusen Gefühl, man hätte noch mehr noch besser noch schneller
schaffen müssen, ist die Grundlage entzogen. »Realistische Planung ist auch psychologisch von großem Wert.
Unser Leistungsvermögen ist größer, wenn wir eine machbare Möglichkeit sehen, unsere Pläne in die Tat
umzusetzen. Negative Gedanken an das Scheitern und Nichtbestehen lösen Stressreaktionen und Frustgefühle aus,
die Energien verbrauchen, die uns bei der eigentlichen Arbeit fehlen«, ist in Höglingers lebensnahem
Arbeitsbuch zur Selbstorganisation, Zeit haben heißt Nein sagen, nachzulesen.
PERSÖNLICHE FREIZEIT MUSS SEIN!
Niemand kann oder will pausenlos arbeiten, oder? Und trotzdem. Schaffen Sie es, täglich zumindest eine Stunde
für Ihre persönliche Erholung frei zu halten? Nehmen Sie dies auch als »Aufgabe« ernst, wie Sie eine Verabredung
oder eine Deadline ernst nehmen. Schließlich geht es um Sie! Wer auf seine Bedürfnisse Rücksicht nimmt, wird
schnell die eigenen Leistungskurven kennen lernen. Achten Sie einmal darauf, wann Sie richtig fit sind, wann
dagegen gar nichts weitergeht und wann Sie am häufigsten gestört werden bzw. sich stören lassen. Erledigen Sie
Wichtiges in störungsarmer und leistungsstarker Zeit.
NICHT JEDE MINUTE MIT ARBEIT ZUSCHÜTTEN
Bei der berufstätigen Mutter Andrea Schwarz-Schneebauer geben Schule und Freizeitaktivitäten der Kinder die
Zeiten klar vor, in denen sie arbeiten kann. Auch innerhalb dieser Arbeitszeiten baut sie nun Phasen der
Regeneration ein: »Wenn ich abends noch einen Workshop leite, gebe ich mir selber am Nachmittag vorher frei
zum Luftholen.« Dahinter steckt ein Lernprozess, denn ihr erster Impuls war früher, jede freie Minute mit
Arbeit zu füllen, sei es im Haushalt oder im Job. Wenn heute ein Termin ausfällt, freut sie sich über das
Zeitgeschenk und geht in die Natur oder meditiert. »Das konnte ich lange Zeit gar nicht.« Nach dem täglichen
gemeinsamen Mittagessen, das selber zu kochen der Mutter ein Anliegen ist, ist ebenfalls eine halbe Stunde
Erholung angesagt. »Die Kinder respektieren das total und beschäftigen sich in dieser Zeit alleine. Das ist
eine Frage der Gewohnheit und Konsequenz«, macht sie Müttern Mut, auf ihre Erholungsphasen auch den Kindern
gegenüber zu bestehen.
AUSRUHEN & EFFIZIENT ARBEITEN
Durch die bewusste Regeneration ist die Qualität ihrer Arbeit deutlich gestiegen, hat die Beraterin festgestellt.
»Und damit auch die Umsätze«, weiß sie zu berichten. »Ja, ich habe die Arbeitszeit insgesamt reduziert, dafür
nutze ich sie heute besser und arbeite konzentrierter. Lange Nachtschichten habe ich ganz abgeschafft.
Inzwischen habe ich das Vertrauen dafür entwickelt, dass es mit meinen Ressourcen funktioniert. Früher habe
ich Dinge mit Druck erledigt, weil ich dachte, es muss sein, auch wenn es gegen mein gutes Gefühl ging. Doch
seit ich das umgestellt habe beobachte ich immer wieder, dass sich für die früher mit Zwang erledigten
Arbeiten meist in den folgenden Tagen ein besserer Zeitpunkt findet, an dem ich es dann leicht unterbringen
kann.« Manche Arbeiten sind dann gar nicht mehr nötig. Das ist auch der wichtigste Tipp, den Andrea
Schwarz-Schneebauer an Sie weitergeben möchte: »Seien Sie sanft zu sich selbst. Druck rausnehmen! Nützen Sie
Ihre Zeit, aber nicht auf Biegen und Brechen streng nach Plan, wenn Sie merken, Sie müssen dazu über sich
drübergehen.« Haben Sie schon einmal nach einem Trainingsplan Sport gemacht? Dann kennen Sie sicher das
Gefühl, dass Sie sich einfach zu schlapp fühlen für eine Aufgabe, die Ihnen sonst immer Spaß gemacht
hat. Wer Andrea Schwarz-Schneebauers Empfehlung im Ohr hat, wird sich für die sanfte Lösung entscheiden:
Wenn Sie eine Laufeinheit geplant haben und sich dann aber so gar nicht danach fühlen, gehen Sie
in der gleichen Zeit spazieren. Also die Zeit sehr wohl für sich in Anspruch nehmen, aber nicht zwanghaft
eine Leistung erbringen – Körper und Seele werden es danken.
BALANCE AUS LEBEN UND ARBEIT
Vor lauter Arbeit das Leben nicht verpassen – das ist der Wunsch, der hinter allen »Work-Life-Balance«-Konzepten
steckt. Leben Sie, um zu arbeiten, oder arbeiten Sie, um zu leben? Eines ist klar: Leben ist Zeit. Der gute
Umgang mit ihr bedeutet viel mehr als nur eine optimierte Terminverwaltung. Mit den in dieser Serie
vorgestellten Strategien können Sie die nötige Übersicht über die anstehenden Aktivitäten gewinnen, bewusst mehr
Freiraum für Kreativität einbauen, Stress vermeiden, überhaupt mehr Freizeit für sich selbst gewinnen und
auf lange Sicht Ihre Ziele systematisch verfolgen und erreichen. Machen Sie nur nicht den Fehler, die gewonnene
Zeit gleich in das nächste ehrgeizige Projekt zu stecken, rekordverdächtigen Trainingsplänen hinterherzulaufen
oder sogar noch mehr Arbeit zu erledigen und damit auf der Stelle neuen Stress zu produzieren. Um wirkliche
innere Ruhe, den nötigen Freiraum für Spontanität und ganz einfach Glück zu erlangen, braucht es Zeit –
unverplante!
Hier können Sie den vollständigen Artikel als pdf (515kb) ansehen!
Andrea Schwarz-Schneebauer - Praxis für Lebensenergie - Linz/Zaubertal -
p.lebensenergie(at)gmail.com
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